Unsere Philosophie

Unser Team ist so unterschiedlich wie die Menschen, die wir betreuen. Was uns verbindet ist nicht nur ein gemeinsames Arbeitsfeld, sondern vor allem ein ähnliches Menschen- und Beziehungsbild.
Unser Betreuungskonzept wird immer wieder durch Diskussionen in Frage gestellt und modifiziert. Nicht zuletzt auch durch Anregungen und Kritik unserer Klienten.
 
An dieser Stelle möchten wir Ihnen einen Einblick in unsere Überlegungen und Hintergründe geben, auf denen unsere Arbeit basiert. Dieser soll nicht in Form einer umfangreichen Abhandlung erfolgen, sondern in Form von Thesenpapieren, über welche wir gerne mit Ihnen innerhalb unserer Beratungsgespräche diskutieren.

Allgemeines über die Liebesbeziehung:

Hierbei beziehen wir uns auf Erich Fromm und seinen Klassiker „Die Kunst des Liebens“. Erich Fromm (1980): Die Kunst des Liebens. Frankfurt/M, Berlin, Wien: Ullstein
  • Die meisten Menschen sehen ihr Problem mit der Liebe darin, wie sie es erreichen, selbst geliebt zu werden, anstatt zu lieben und lieben zu können.
  • Die meisten Menschen gehen bei dem Problem der Liebe davon aus, es gehe um ein Objekt und nicht um eine Fähigkeit. Wobei sie die Schwierigkeit darin sehen, den richtigen Partner zu finden, den man selbst lieben kann und von dem man geliebt wird.
  • Die Hauptvoraussetzung für die Fähigkeit, lieben zu können, ist, dass man seinen Narzissmus überwindet. 
    Der narzisstisch Orientierte erlebt nur das real, was in seinem eigenen Inneren existiert, während die Erscheinungen der Außenwelt für ihn an sich keine Realität besitzen, sondern nur daraufhin erfahren werden, ob sie für ihn selbst von Nutzen oder gefährlich sind. 
    Das Gegenteil von Narzissmus ist Objektivität; damit ist die Fähigkeit gemeint, Menschen und Dinge so zu sehen, wie sie sind, also objektiv, und in der Lage zu sein, dieses objektive Bild von einem Bild zu trennen, das durch die eigenen Wünsche und Ängste zustande kommt.
  • Die Fähigkeit zu lieben impliziert somit die Fähigkeit zu wachsen und eine produktive Orientierung in unserer Beziehung zur Welt und zu uns selbst zu entwickeln.
  • Worauf es in Liebesbeziehungen ankommt, ist der Glaube an die eigene Liebe, der Glaube an die Fähigkeit der eigenen Liebe, bei Anderen Liebe hervorzurufen, und der Glaube an ihre Verlässlichkeit.
  • Die reife Liebe ist eine Vereinigung, bei der die eigene Integrität und Individualität bewahrt bleiben. Sie stellt ein Paradoxon dar, in welchem zwei Individuen eins werden und trotzdem zwei eigenständige Individuen bleiben. 

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Veränderungen im Beziehungskonzept in den letzten 100 Jahren:

  • Noch vor hundert Jahren wurden Beziehungen (Ehen) auf Grund von wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Überlegungen geschlossen, die Liebe stellte sich dann schon ein. Der Aufbau einer Familie, die Erziehung der Kinder und das Altsein war allein nur sehr Wenigen möglich. Die Beziehung (Ehe) war somit stark funktionalisiert, nicht nur als gesellschaftliches Instrument, sondern als Lebenskonzept für den Einzelnen. Mit zunehmendem Wohlstand und der Emanzipation der Frauen auf dem Arbeitsmarkt verloren diese objektiven Funktionen der Beziehung (Ehe) an Bedeutung. Mann/Frau konnten über Dienstleister eine Familie auch alleine ernähren und das Alter sichern. Anstelle der objektiven Funktionen trat eine zunehmende Romantisierung der Beziehung. In der Moderne soll diese nicht das Überleben sichern, sondern ist zuständig für den gesamten Bereich der Gefühle, der Partner soll einen glücklich machen. Der fordernde Charakter dieser Einstellung entspricht der materialistischen Grundeinstellung der Gesellschaft. Sie zeigt, dass es mehr um das Bekommen geht, als um das Geben. Aber Liebe ist ihrem grundsätzlichen Charakter nach etwas Gebendes, sie vertraut auf die eigene Kraft durch sich selbst, Liebe beim Gegenüber zu erwecken, sie ist zuverlässig und demütig und nicht an Wohlgefallen und materiellen Reichtum gebunden. Sie sollte eine grundsätzliche Lebenseinstellung darstellen, somit nicht nur für den einen, vermeintlich richtigen Lebenspartner aufgespart sein, sondern das gesamte Lebensgefühl ausmachen.
  • In der Moderne wird die Beziehung marketingmäßig betrieben und nach Effektivitätsmaßstäben der Befriedigung eigener  Bedürfnisse gestaltet. Ein fragiles System, wobei die Auflösung der Beziehung fast ein tägliches Einerlei darstellt, sobald Probleme auftreten, welche die Partner nicht zu lösen wissen, oder aber die eigene psychosoziale Gratifikation als nicht ausreichend erlebt wird, obwohl sich die Partner durchaus noch schätzen.
  • Die Überwindung althergebrachter Beziehungskonzepte vollzog sich in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts rasant. Allerdings nahm die Fähigkeit, mit unterschiedlichsten Konzepten umzugehen, sich selbst als autonomes, handelndes und verantwortliches Wesen innerhalb von Beziehung zu sehen, nicht im gleichen Maße zu. 
    Viele Schwierigkeiten liegen am allgemeinen –gesellschaftlich anerkannten– Narzissmus, am fehlenden Gefühl für die Bedürfnisse des Gegenübers als unabdingbare Basis für die eigenen Bedürfnisse, sowie an der eigentlichen Bedeutungslosigkeit von Liebesbeziehungen für das eigene Selbstkonzept.  

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Beziehung und Glück sind definierbar und berechenbar:

Thesen, die wir aufgrund von Erfahrungen mit und durch unsere Klientel entwickelt haben und welche wir für falsch halten.
  • Auch in der Einstellung zur Liebe zeigt sich der für unsere Zeit charakteristische Zug des Marketings. 
    Der Herr sucht eine attraktive Frau und die Frau einen attraktiven Mann, wobei die Attraktivität durch Attribute und Eigenschaften definiert wird, die gerade auf dem Personenmarkt - häufig beeinflusst durch die Medien und im Besonderen die Werbung - gefragt sind. Somit Attribute, die den wirtschaftlichen Aspekten der Gesellschaft gerecht werden, z.B. jung, schön, erfolgreich und unabhängig. 
  • Der zu Liebende wird zum definierbaren Objekt der Begierde, mit genau messbaren Attributen und Eigenschaften.
  • Eine Liebesbeziehung sollte meine eigenen Bedürfnisse befriedigen und mich psychosozial und emotional gratifizieren.
    Dazu muss ich nur das Kunststück bewerkstelligen, den passenden Partner zu finden. Partner, die dieses nicht erfüllen, sind unpassend und werden ausgetauscht.
  • Ob ein Partner passend ist, lässt sich an objektiven, messbaren Faktoren einschätzen. 
    Diese Faktoren gliedern sich in körperliche Maße, materielle, intellektuelle und gesellschaftliche Bereiche. Es bleibt ein psychologischer Unsicherheitsfaktor, der jedoch in dem Maße abnimmt, in dem die übrigen Faktoren im positiven Sinne zunehmen, heißt, den Anforderungen entsprechen. 
    Somit ist eine Beziehung berechenbar und es liegt nicht an mir und meinen Handlungen, inwieweit ich glücklich bin oder nicht. Für mein Glück sind Andere verantwortlich.
  • Zielgerichtetes Verhalten - bezogen auf die Partnersuche - ist nach den gewünschten Kriterien sein Gegenüber zu beurteilen und dann schnellstmöglichst eine Entscheidung zu treffen. 
    (Ein derartiges Verhalten wird zwar der modernen heiligen Kuh "Geschwindigkeit und Effizienz" gerecht, spiegelt jedoch nicht ein wirkliches Interesse am Gegenüber wider. Es dient nur dem schnellstmöglichen Erlangen der eigenen narzisstischen Gratifikation. Hier sollte eigentlich gelten: “was du nicht willst, was man dir tut, das füge auch keinen Anderen zu”. Gegenargument: "ich erkenne schon auf den ersten Blick oder nach wenigen Minuten, wer zu mir passt oder nicht".) 

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Unsere Philosophie
Basis:
 
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Veränderungen im Beziehungs-
konzept in den letzten
100 Jahre >> mehr
 
Beziehung und Glück sind nicht
definierbar und nicht berechen-
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